Skip to content
Planerinnen in Sachsen

Julia Krafft

Welche Erfahrung, welches Ereignis war für deinen beruflichen Werdegang prägend?

Besonders prägend für meinen beruflichen Werdegang war die Eröffnung des Gedenkorts, den ich vollständig aus alten Materialien entworfen habe. Es war mein erstes freiberuflich umgesetztes Projekt, das nur aus meiner Idee heraus entstanden ist. Zum ersten Mal konnte ich meine entwerferische Kreativität uneingeschränkt ausleben – der Erfolg war überwältigend. Die Begeisterung der Menschen und die Anerkennung in der Presse haben mir gezeigt, dass es sich lohnt, diesen ungewöhnlichen und oft anstrengenden Sonderweg zu gehen. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig darin bestärkt, an meinem Ansatz festzuhalten und ihn weiterzuentwickeln.

Welche strukturellen Änderungen würdest du dir am Berufsbild wünschen?

Wir Architektinnen der neuen Generation müssen unser Berufsbild neu definieren: Wir müssen hinterfragen, mehr Experimente wagen und uns der gesellschaftlichen Verantwortung stellen, die mit jedem von uns geschaffenen Gebäude einhergeht. Architektur sollte nicht nur ästhetische, sondern vor allem ökologische und soziale Antworten geben. Dafür brauchen wir Strukturen, die mehr Raum für innovative und nachhaltige Ansätze schaffen, anstatt sie auszubremsen. Ich wurde in der konservativen Lehre ausgebildet: man zeichnet ein hübsches Bild, dann wird es ausgeschrieben und gebaut. Ich habe nichts über Nachhaltigkeit gelernt, dabei wird 60% des globalen Mülls durch die Baubranche produziert, das möchte ich ändern. Und deshalb fängt die Baustelle fängt bei uns schon an, bevor überhaupt mit der Planung begonnen wurde.

Woran würdest du gerne mal arbeiten?

Ich habe nicht das eine klassische Traumprojekt, wie einen Wolkenkratzer in London – solche Projekte empfinde ich als nicht mehr zeitgemäß. Was mich antreibt, ist die große Generationenaufgabe, die Bauwende in all ihren Facetten mitzugestalten. Die Art und Weise, wie wir Architektur denken, planen und bauen, grundlegend zu hinterfragen, ist für mich das spannendste „Projekt“, an dem ich arbeiten könnte.

    Werdegang

  • 2015

    Kurt-Beyer-Preis - Auszeichnung Diplomarbeit, Technischen Universität Dresden

  • 2015 – 19

    Angestellte Architektin (Berlin, Kopenhagen, Dresden)

  • ab 2019

    Initiatorin und Leiterin diverser internat. Forschungsprojekte (TUD / IUAV Venedig / ESAD Tunis / UoM Malta / TU Wien / UR Rwanda)

  • 2024

    Gründerin ZIRKULAAR Architektur Klinkenbusch Krafft PartGmbB

  • 2024

    Gewinnerin des Impact Incubator Climate Tech - Startup Stipendium Senat Berlin

  • 2024 – 2025

    Gastdozentin für zirkuläres Bauen an der Berliner Hochschule für Technik

  • seit 2025

    nbau. - Beraterin für die Ausbildung von zirkulären Handwerker:innen

    Mitgliedschaften, Verbände, Ehrenamt

  • Als Mitgründerin des Instituts für räumliche Resilienz e.V. engagiere ich mich für die Förderung nachhaltiger Architektur, sozialer Innovation und resilienter Stadtentwicklung. Das Institut fungiert als interdisziplinäre Plattform, die Forschung und Praxis zusammenführt, um zukunftsfähige Lösungen im Bauwesen zu entwickeln.

Welches Buch/Film/Ausstellung würdest du einer anderen Planenden empfehlen?

Das Buch „Die Augen der Haut: Architektur und die Sinne“ von Juhani Pallasmaa hat mich tief beeindruckt. Es beschäftigt sich mit der grundlegenden Wahrnehmung von Material und Raum und hat mein Verständnis für die emotionale Dimension von Architektur geprägt. Besonders in Bezug auf zirkuläres Bauen ist es für mich essentiell: Erst durch eine tiefgehende Identifikation mit der Materialität wird zirkuläres Bauen zu zirkulärer Architektur. Dieses Buch bietet inspirierende Perspektiven, wie Materialien bewusst wahrgenommen und in den Entwurfsprozess integriert werden können, um Architektur nachhaltiger und bedeutsamer zu gestalten.