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Planerinnen in Sachsen

Nadine Hartan

Welche Erfahrung, welches Ereignis war für deinen beruflichen Werdegang prägend?

Ich bin der Überzeugung, dass mein Urgroßvater einen großen Anteil daran hat, mein Interesse für das Handwerk zu wecken und den Blick für einfach Lösungen zu öffnen. Eine meiner sehr frühkindlichen Erinnerungen ist z.B., dass er für unser Gartenschloss, das immer verrostet ist, einen Schutz gebaut hat. Das war für mich ein Aha-Moment, dass man Dinge verändern kann. 

Später hat mich das Wohnen in einem Zugabteil mit eigenem Raum von 4m² geprägt. Kurz nach meinem Studium habe ich mich mit einer Freundin selbstständig gemacht und in diesem Rahmen war ich freischaffend für die Erlebnisbahn Ratzeburg tätig. Ich habe dort Hausprojekte begleitet, ein Strandbad etc. Dort gab es auch den Sieben-Zwerge-Waggon – ein alter Reisewagen mit sieben Kabinen für die Mitarbeitenden sowie eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftsbad. Ich habe dort gelernt, dass es zum einen, wenig braucht, um sich zuhause zu fühlen und es immer ein Gewinn ist, die Räume zu teilen. 

Welche strukturellen Änderungen würdest du dir am Berufsbild wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass auch in der Sprache Frauen nicht nur gemeint, sondern auch abgebildet werden. Dass ich als weibliche Angestellte auch mal eine Chefin hätte, mit der ich über genderfreundliche Sprache oder Tampons auf dem WC sprechen kann, dass Frauen zugehört wird und sie nicht unterbrochen werden, wenn sie anfangen zu sprechen. Und dass die Gehaltsverhandlung keine Verhandlung ist, sondern es eine transparente Darstellung der Löhne gibt.

Woran würdest du gerne mal arbeiten?

An einem Baumhaus.  

An einem Konzept für Stadtentwicklung von unten, denn ich würde mir wünschen, dass gerade jetzt wo die Städte wachsen, die Bevölkerung mitgenommen wird. In Leipzig erleben wir meistens Stadtplanung am Reißbrett, die Partizipation ist meist nur eine Maßnahme, die „man gemacht haben muss“. Für die Stadt ist bereichernd, weil die Perspektiven dann auch mal ganz weit weg von den wirtschaftlichen Interessen sind. 

An Geflüchtetenunterkünften. Denn nur so kann man die Art und Weise beeinflussen, wie Geflüchtete untergebracht werden, in denen man Rückzugsräume schafft und in der Planung die erlebten Traumata berücksichtigt. 

    Werdegang

  • 2005

    Gründung schwarzFORMat: Architektur + Modellbau + Holzbildhauerei 

  • 2006 - 2007

    freischaffende Tätigkeiten “Kulturinsel Einsiedel" + "Erlebnisbahn Ratzeburg" 

  • 2008 - 2011

    Architektin bei IPRO Leipzig 

  • 2011 - 2019

    Architektin/ Projektleiterin bei AIP Planungs GmbH Leipzig

  • 2019 - 2021

    freischaffende Tätigkeit als Architektin 

  • Seit 2021

    Gründung KüBIK | ELEMENTARCHITEKTUR 

    Mitgliedschaften, Verbände, Ehrenamt

  • Mitglied Verein für ökologisches Bauen Leipzig e.V. 

  • Gründungsmitglied Bürgerinitiative “Jahrtausendfeld retten!”

  • Aktive + Gründungsmitglied FLINTA* Holzwerkstatt Nachbarschaftsgärten e.V.

  • Gründungsmitglied des Regionalnetzwerks “FLINTA* Handwerk Leipzig/ Halle“

  • Ehrenamt “Netzwerk für demokratische Kultur e.V. Wurzen”

Welches Buch/Film/Ausstellung würdest du einer anderen Planenden empfehlen?

Buch: Neufert Entwurfslehre 

Film: Hütten sind für alle da; Ausstellung: Faktor Wohnen